banner geschichte


Geschichte: (Read this page in English)

Eine der Freuden über Okazaki ist die reichhaltige Geschichte. Japans Modernisierung hat zahlreiche städtische Gebiete in Betonwüsten verwandelt. Trotzdem dem grossen Verlust der Aussenraumgestaltung sind viele historische Stätten, ein Grossteil der unglaublichen kulturellen Güter wie z.B. Kunst, traditionelle Handwerke, Festivals und Zeremonien erhalten geblieben. Eine der Hauptattraktion Okazakis ist, dass es nicht nur möglich ist, Geschichte zu sehen sondern auch daran teilzunehmen. In Okazaki ist Geschichte nicht Vergangenheit sondern auch pulsierende Gegenwart. Man kann die mehr als tausendjährige Geschichte nicht nur sehen, sondern auch an Festivals teilnehmen, Künste lernen, und zu einer lokalen Kultur beitragen, die die Geschichte schätzt und ihren Ursprung ehrt.



Okazakis Geschichte reicht in die Jomonperiode des Mesolithikum, die Mittelsteinzeit, zurück. Die Jomonepoche begann in Japan etwa im 11. oder 10. Jahrhundert vor Christus und endete in der nördlichen Honshu Region etwa um das 10. Jahrhundert nach Christus. Die ältesten bestätigten Überreste von menschlichen Siedlungen datieren etwa in die Zeit um 6500 Jahre vor Christus zurück, als Jäger in diese reichhaltigen Jagdgründe gelockt wurden. Heutzutage sind die Wälder, die einst die Flora dieser flachen Flutebene dominierten, dem städtischten Teil Okazakis gewichen. Die Hauptgründe für die Reichhaltigkeit des Jagens waren die Flüsse die von den Hügeln im Norden und Osten durch die Stadt fliessen. Muschelhaufen, Grubenhäuser und andere Artifakten wie z.B. Jomon-Keramikfragmente (der Töpfereistil, der als Namenspate für die Periode stand) sind erhalten geblieben und die archälogische Forschung geht weiter. Einige Überreste der Siedlungen können an Orten wie Murakami Iseki im östlichen Okazaki betrachtet werden.

Die Flüsse spielten auch weiterhin eine Hauptrolle in der Entwicklung der Gegend als die Jomon Periode der Yayoi Periode und der frühen Landwirtschaft wich. Auch die Yayoi Periode wurde nach ihrer bedeutenden Keramikhinterlassenschaft benannt. Zusammen mit dem milden Klima bildete die von den Flüssen angeschwemmte, reichhaltige Erde eine gute Grundlage um in der flachen Landschaft neben dem Fluss Wald gegen Felder einzutauschen. Kommunikation und Handel mit anderen Siedlungen verbreiteten rasch Ideengut, Saatgut und Techniken. Die Landwirtschaft florierte und langsam bildete sich eine kleine Stadt in der Nähe der Flussgabelung der zwei Hauptflüsse. Dank dem grösseren Nahrungsmittelvorrat, der stabileren Nahrungsmittelquelle und verbesserten Lagerkapazität wuchs die Bevölkerung, die von nun an auch Eisenwerkzeuge und -waffen einsetzte sowie die Nassreislandwirtschaft anzuwenden begann.

Wie erfolgreich die Landwirtschaft in Okazaki war, zeigte sich auch darin, dass die Gegend für die Kultivierung des Reises nominiert wurde, der bei Zeremonien an Japans wichtigstem Schrein, dem Ise Jingu (der Grosse Schrein von Ise) benützt wurde. Ise liegt in der heutigen Mie Präfektur, ca. zwei Stunden von Okazaki entfernt mit dem Zug. Die Bedeutung der Flüsse zeigte sich hier nicht nur in der Qualität des Reises sondern auch darin, dass sie Okazaki mit der Mikawa Bucht verbinden, von wo aus der Reis weiter mit Booten zu den kaiserlichen Schreinen transportiert wurde. Historische Tempel wie der Shinpukuji (sechstes Jahrhundert nach Christus) und Kichioki (heute Takisanji genannt, siebtes Jahrhundert nach Christus) datieren in diese Zeit zurück. Ein Indiz des Reichtums der Gegend sind die Ruinen des Kitano-Haiji Tempels, gebaut während der Asuka Periode (593-710) und die in 1961 entdeckten 49 Grabhügel nördlich des Flusses Aoki. Der grosse Iwazu Grabhügel mit den drei Grabsteinen ist wohl der repräsentativste von allen.

Im achten Jahrhundert existierte im aufstrebenden japanischen Staat eine permanente Hauptstadt, zuerst in Nara (Heijo-kyo) in der Kinaiebene und dann in Kyoto (Heian-kyo). In dieser Zeit hatte sich auch der Buddhismus in Japan ausgebreitet. Das Bauen von Tempeln war ein wichtiger Teil der Nation und des sozialen und politischen Systems, das sich zusammen mit dem Staat herausbildete, der zur Zentralisierung neigte. Die Strasse, die von der Kinai Region entlang der Pazifikküste gegen Osten führte, passierte Okazaki, welche damals die grösste Stadt in der Mikawa Region war. Der alte Tempel in Hozoji (achtes Jahrhundert nach Christus) im südöstlichen Okazaki nahe dieser alten Route hat seinen Ursprung in dieser frühen Periode.

Die Etablierung der Zentralregierung in Kyoto (Heian-kyo) während der Heian Epoche stärkte die Regentschaft des kaiserlichen Hofes über das Land. Enorme Grundbesitze wurden eingerichtet und Macht und Reichtum mit Land verknüpft. In der frühen Heian Epoche (794 - 1185) begann sich die effektive Machtausübung von der kaiserlichen Familie in Richtung einer aristokratischen Klasse zu verlagern (hauptsächlich die Fujiwara-Familie), welche auch die Regenten nominierte und im Namen des Kaisers regierte. Die Fujiwara-Familie hielt sich eine beträchtliche Weile an der Macht bis zu viele von ihnen abhängig waren und sie von einer aufstrebenden militärischen Klasse in den Hintergrund gedrängt wurden. Armeen marschierten durch Okazaki als der Machtkampf zwischen dem Taira (Heike) und dem Minamoto (Genji) Klan hin und her schwankte. Mit dem Sieg des letzteren endete die Heian Epoche und die lange Regierungszeit der militärischen Kaste, der Samurais, über Japan begann. Auf Okazaki hatte dies einen enormen Einfluss. Vormals nur eine Wegstation zwischen Kyoto und den Randgebieten des japanischen Staates, welcher sich ostwärts in die Tohoku Region von Nordhonshu ausdehnte, so befand sich Okazaki nun plötzlich zwischen der kaiserlichen Hauptstadt Kyoto und der durch die Minamoto neu etablierten politischen Hauptstadt des Jahrhunderts in Kamakura wieder - heute ist diese Stadt unter dem Namen Tokyo weltbekannt. Die Verbindungsstrasse zwischen den zwei Städten war eine wichtige Kommunikations- und Handelsroute und Okazaki gedieh unter dem passierenden Verkehr. Der Kichioki Tempel wurde zu dieser Zeit von einem Priester names Kanden zum Takisanji Tempel umgebaut, der ein älterer Cousin des ersten Kamakura-Shogun Minamoto Yoritomo (1147-1199) war. Am ersten Todestag von Yorimotos Tod begann Kanden einen Zentempel zu bauen und bewahrte Yorimotos Haare und Zähne auf im Mutterleib der Statue der Gnadengöttin. Heute ist die Haupthalle des Tempels (Wiederaufbau im Jahre 1222) bekannt für ihren perfekten Architekturstil der Kamakura Epoche (1185-1333). Der wunderschöne Yanagi-do im Myogenji Tempel wurde auch zu dieser Zeit gebaut.



Okazaki blieb eine regionale Stadt während der Regierungszeit der Kamakura und auch während der nachfolgenden Regierungszeit - der militärischen Regierung der Ashikaga-Shogun in Kyoto. Der mächtige Shogun Ashikaga Yoshimitsu erbaute den Tenonji Tempel zu dieser Zeit, etwa zur gleichen Zeit, als er seine Villa in Kyoto bauen liess (heute bekannt als der Kinkakuji Tempel, bekannt für seinen goldenen Pavillon). Korruption, armselige Staatsführung und der andauernde Kampf um die Vormachtstellung brachten das Land schrittweise an den Rand eines Bürgerkriegs und führten schliesslich zum Zusammenbruch der Zentralregierung. Der Wohlstand und der Friede, von welchem Okazakis Wirtschaft und Kultur abhängig war, wurde unterbrochen als Schlachten um Macht zwischen örtlichen Kriegern die Märkte zusammenbrechen liessen. Auf den Hauptstrassen wurden von den lokalen Kriegsherren Strassenzölle erhoben, was den Handel zwischen Okazaki und anderen Teilen Japans stocken liess. Die reichen Landwirtschaftbestände waren begehrt und als Resultat dieser Kriegsführung wurde 1452 Schloss Okazaki gebaut. Die Schlossanlage, die zu jener Zeit gebaut wurde unterscheidet sich sehr von der heutigen. Bemerkenswert ist, dass Schloss Okazaki eines der ersten war, das nicht zu Verteidigungszwecken auf einem Berggipfel gebaut wurde sondern in der Ebene um die Dominanz über die Reisfelder und Flüsse sicherzustellen. Das Schloss wurde an der Gabelung der Flüsse Sugo (Oto) und Iga gebaut, was die Verlegung des Inasaki Jinja Schreins verlangte - in diesem Schrein wurde der Reis für die Zeremonien in Ise Jingu gelagert. Die lange Geschichte Okazakis als Schlossstadt hatte damit begonnen.

Im Verlaufe dieser Epoche erlangte eine Familie aus den Hügeln im Norden immer grössere Bekanntheit. Sie wurden Matsudaira genannt und ab dem späten 15. Jahrhundert kontrollierten sie Schloss Okazaki und die umliegende Region. Das vierte Oberhaupt der Familie, Matsudaira Chikatada, liess 1470 unter anderem den Iga Hachimangu Schrein am Ufer des Flusses Iga flussaufwärts vom Schloss bauen und in 1475 den historischen Tempel von Daijuji, welcher zum Familientempel der Matsudaira wurde und einer der wichtigsten ist von allen kulturellen Gütern in Okazaki. Der wunderschöne Iga Hachimangu Schrein ist der Startpunkt der Ieyasu Gyoretsu Parade, die jedes Jahr im frühen April stattfindet. Ein Grossteil von Okazaki wurde modernisiert, aber in Daijuji kann immer noch gesehen werden, welchen Wert Okazaki auf sein kulturelles Erbe legt: Wer durch das Südtor blickt, kann den Schlossturm sehen. Die Bauordnung der Stadt verbietet seit je her das Bauen von hohen Gebäuden, die die Sichtverbindung zwischen dem Tempel und dem Schloss stören würden. Und das obwohl die Landpreise über die Jahre hin ständig stiegen.

Chikatadas Enkel erging es nicht sehr gut, als sein Urenkel Matsudaira Takechiyo in Schloss Okazaki im Januar 1543 (Dezember 1542 nach dem alten Kalender) geboren wurde. Der Klan schien am Rande des Untergangs zu stehen. Mächtige Nachbarn bemühten sich, die Kontrolle über Okazaki zu erlangen. Das Schlachtfeld von Azukizaka in der Nähe des heutigen Hikarigakoaka Mädchengymnasiums war die Bühne für viele solcher Zusammenstösse zwischen der Oda-Familie im Westen und dem mächtigen Imagawa-Klan im Osten. Als die Oda die Matsudaira in 1547 wieder besiegten, bat Takechiyos Vater die Imagawas um Hilfe. Als Preis verlangten die Imagawas Takechiyo als Geisel, den sie in ihrer Burg in Sumpu im heutigen Shizuoka festhalten würden. Als er jedoch Okazaki bei Boot verliess wurde er von den Oda gefangen genommen. Sie drohten seinen Sohn zu töten, falls der belagerte Matsudaira nicht das Bündnis mit Imagawa aufösen sollte. Niemand in Okazaki, der Takechiyo das Schloss verlassen sah hätte wohl gedacht, dass sechs Dekaden später aus der früheren Geisel der unbestrittene Herrscher Japans hervorgehen würde. Der Mann, der den Jahrhunderten von Bürgerkriegen und Chaos ein Ende setzen würde, der grösste Shogun von allen - Tokugawa Ieyasu.

Bis zu einem gewissen Grad kann man sagen, dass Tokugawa Ieyasu Okazaki zu dem machte, was es heute ist. Nach dem Loslösen von der Imagawa-Familie 1560 wurde er der Herrscher der Burgstadt, im Alter von 17 Jahren. Er zerschlug eine rebellische Sekte, entkam nur knapp dem Tod in der Nähe des Daijuji Tempels (wo er sogar in Betrachtung zog Selbstmord zu begehen, anstatt gefangen genommen zu werden - die Mönche konnten ihn aber dazu überreden, das nicht zu tun) und dann das zweite Mal in der zweiten Schlacht in Azukizaka, als er von einer Kugel getroffen wurde, welche aber seine Rüstung nicht durchdringen konnte. Von 1566 an nannte er sich Tokugawa Ieyasu und sicherte sich den Titel des Daimyo der Mikawa Provinz. Er entkam nur knapp einer Niederlage gegen Takeda Shingen in 1572 in Mikatagahara. Drei Jahre später marschierte er mit wertvoller Unterstützung seines ehemaligen Feindes Oda Nobunaga (mit Stützpunkt im heutigen Nagoya) von Schloss Okazaki los und besiegte Takeda in Nagashino und Shitahagara und vollendete damit die Eroberung der Länder von Takeda nach sieben Jahren Kampf. In einem geschickten politischen Schachzug schloss er einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss mit Nobunagas Nachfolger Toyotomi Hideyoshi und verliess Okazaki mit seinen Kriegern in Richtung fernes Edo, das heutige Tokyo. Nach einem weiteren Durchmarsch durch Okazaki auf dem Weg zur Schlacht nach Sekihagara wurde er 1603 zum Shogun von Japan.

Während der langen Friedenszeit, welche dem Tokugawa-Shogunat von 1603 bis 1868 folgte, florierte Okazaki. Tokugawa Ieyasu befahl kleinere Burgen abzureissen und limitierte die Anzahl Burgen auf eine pro Provinz. Okazaki war ein strategisch wichtiger Punkt, nicht nur für die Wirtschaft sondern auch wegen der verkehrsgünstigen Lage entlang der Schnellstrasse Tokaido, welche die neue politische Hauptstadt in Edo (heute Tokyo) mit der kaiserlichen Hauptstadt in Kyoto verband. In Richtung Okazaki besitzt die Tokaido 27 Kurven, was die Verteidigungsmöglichkeiten erheblich erhöhte. Eine grosse Brücke wurde über den Fluss Yahagi gebaut und die Stadt wurde zur 38. Poststadt ernannt (juku). Reisende, Händler, Umzüge von Daimyos auf der Durchreise von und nach Edo, Missionen aus Korea, Pilger auf dem Weg zu fernen Tempeln etc. - sie alle blieben und ruhten sich in Okazaki aus. Die Stadt nutzte ihren Lage als Verbindungsstelle zwischen der Schnellstasse und den Flüssen aus - Okazaki wurde auch zu einem wichtigen Flusshafen, von welchem aus Reis, Miso, Steinarbeiten, Sake und andere Erzeugnisse verschifft wurden. Ein wichtiger Industriezweig war die Schiesspulverproduktion - die Vasallenfamilien der Tokugawa/Matsudaira-Klans in der Mikawaregion wurden mit diesem unerlässlichen Industriezweig betraut. Da Schiesspulver nicht unendlich lang gelagert werden kann, erlaubte Tokugawa Ieyasus Sohn Hidetada die Produktion von Feuerwerk - und bis zum heutigen Tag, vier Jahrhunderte später, dominiert Okazaki immer noch Japans Feuerwerksindustrie. Als Heimatort von Tokugawa profitierte die Stadt während seiner Herrschaft. Daijuji wurde mit neuen Gebäuden und Land beschenkt, das wunderschöne Takisan Toshogu wurde von Ieyasus Enkel Tokugawa Iemitsu neben Takisanji Tempel erbaut. In dieser Zeit wurden die Grundlagen für das moderne Okazaki gelegt und die Künste, das Kunsthandwerk, die Festivals und andere Traditionen dauern noch bis heute an.


Der Kollaps des Shogunats nach dem Bürgerkrieg und die Meiji-Restauration in 1868 endete Okazakis Rolle als Poststadt and als Sitz der Mikawa Daimyo. Japan stürzte sich in eine Phase von massiver und rasanter Modernisierung. Die Meiji Regierung liess das Schloss in 1873 abreissen - in den Augen vieler Anwohner mit ungehöriger Eile. Die Industrie wurde gefördert und Okazaki entwickelte eine gedeihende Textilindustrie, eine Metallverarbeitungsindustrie und andere produzierende Industrien. Die Landwirtschaft wurde von Grund auf modernisiert und die Landreform verwandelte die ländlichen Gegenden und die Dörfer. Die traditionellen Industrien bestanden weiterhin, aber nach und nach begann der sich Verkehr vom Fluss auf die Strasse zu verlagern und so die Stadt zu umgehen, hauptsächlich aufgrund des Strassenbaus und als Okazaki ins Eisenbahnnetz eingegliedert wurde. Die Flüsse verloren ihre Bedeutung als Transportroute immer mehr. Zusätzlich verursachte die Entwaldung des nördlichen Teils von Okazaki, das Bauen von Dämmen, das Abpumpen von Wasser für die erhöhte Landwirtschaftsproduktion und die Vergrösserung des Stadtgebietes eine Verschlammung des Flusses, welche die Benützung von Flussbooten erheblich erschwerte. Wasserradbetriebene Textilienmühlen benützten weiterhin die Flüsse aber der Grossteil des Transports wurde nun über die Eisenbahn abgewickelt.

Besucher fragen sich manchmal, warum die JR Railway Zugstation ziemlich weit entfernt vom Schloss und der Altstadt gelegen ist. Teilweise kann dafür der Konservatismus der Bevölkerung und der örtlichen Behörden verantwortlich gemacht werden. Die Stadt akzeptierte letztendlich das Unvermeidebare und liess Bahnlinien in der Nähe von Okazaki (die "Higashi Okazaki" Zugstation der Aichi Elektrischen Eisenbahn, Meitetsu) aber immer noch in sicherer Distanz auf der Südseite des Flusses Sugo bauen. Das Resultat war, dass die Altstadt in Okazaki teilweise ihren Charme erhalten konnte, was nicht möglich gewesen wäre wenn ein Grossbahnhof in der Altstadt gebaut worden wäre. Das andere Resultat war, dass sich Okazaki nicht in Grossstadt wie Nagoya entwickelte sondern ein regionales Zentrum blieb, dem der Status einer Stadt erst 1916 anerkannt wurde, als die Textilindustrie aufgrund der Nachfrage durch den Ersten Weltkrieg boomte. Seitdem verlagert sich das geographische und kommerzielle Zentrum schrittweise Richtung Süden, mit einer rasanten Entwicklung der Gegend zwischen den Higashi Okazaki und JR Okazaki Zugstationen in den letzten 30 Jahren.

1926 begann in Japan die Showa-Ära. Als städtische Gegend war Okazaki stark von der weltweiten einsetzenden Wirtschaftskrise im Jahre 1929 betroffen, als Tarife bzw. Gebühren den Gewinn von Exporten verringerten und auch die einheimische Nachfrage zusammenbrach. Viele Geschäfter schlossen sich zusammen und mehrere grosse Fabriken wurden gegründet. Gleichzeitig begann aber auch eine Zeit der Militärherrschaft und eine lange Kriegsperiode folgte, zuerst auf dem asiatischen Festland und später im Pazifik. Die Wehrpflicht wurde auf fast alle körperlich tüchtigen Männer ausgedehnt und auch Frauen und Kindern wurden Arbeiten und andere kriegs-relevanten Dienste zugeteilt. Während der Krieg im Pazifik andauerte und die Verluste sich häuften, so verursachten die U-Bootbklockade und das Bombardieren der Eisenbahnen und Häfen Trauer, Nahrungsmittelknappheit und Leiden in der Bevölkerung. B29 Bomberflugzeuge bombadierten am 20. Juli 1945 Okazaki mit dem Ziel, Eisenbahnkreuzungen zu zerstören. Es war das einzige Mal, dass der Krieg Okazaki erreichte. Während dieses Angriffes starben 230 Menschen und 7312 Gebäude wurden zerstört. Glücklicherweise blieben die meisten historischen Gegenden der Stadt unbeschädigt. Nicht einmal drei Wochen später wurde Hiroshima von einer Atombombe zerstört und die anschliessende Kapitulation ersparte Okazaki weitere Schäden.

Während sich Japan vom Zweiten Weltkrieg erholte veränderten der Wiederaufbau der Wirtschaft, die ständig wachsende Bevölkerung und die Veränderungen in der sozialen und politischen Struktur das Gesicht der Stadt. Die historischen Strassen wurden von moderner Architektur verdrängt, obwohl sogar noch heute einige ursprüngliche Teile erhalten geblieben sind. Speziell an der Tenma, wo alte Läden wie Nagataya und Itoso, die in der Regierungszeit der Tokugawas eröffnet worden waren, noch heute von Okazakis Rolle als Poststadt auf der Tokaido Route zeugen. Tempel, die während des Krieges aufgrund anders eingesetzter finanzieller Mittel nicht gepflegt werden konnten wurden sorgfältig restauriert. Schlussendlich wurde in 1959 das Symbol der Stadt wiederaufgebaut. Die Mauern und die Burggräben des Schlosses waren zwar 1868 aufgegeben worden, aber der Wiederaufbau des Schlossturms (eine Replika des Turms, der von der Meiji Regierung niedergerissen wurde), machte das Schloss wieder zum Stolz der Stadt. Dort endet in jedem April der Ieyasu Umzug, welcher am Iga Hachiman Schrein beginnt und wo jedes Jahr am ersten Samstag im August das massive Feuerwerksfestival stattfindet.

In der Nachkriegszeit wurde Okazaki zu einer Satellitenstadt von Nagoya. Nahe genug um zu pendeln, aber doch auch weit genug entfernt um eine eigene Identität zu bewahren. Anstatt einem Boom zu verfallen wuchs Okazaki in einer kontrollierbaren Geschwindigkeit. Die Mehrheit der Produktionsstätten aller Art befinden sich ausserhalb des alten Stadtzentrums, das sich dadurch eine gewisse Ruhe und Wohnbarkeit erhalten konnte. Der Dienstleistungsektor floriert und die Stadt hält einen hohen Lebenstandart. Traditionelle Künste und Handwerke werden an jüngere Generationen weitergegeben. Aber auch exzellente Forschungszentren, Hightechindustrie und fortgeschrittene Dienstleistungen werden von der Stadt gepflegt.

Das Resultat ist, dass sich Okazaki vieles von seinem kulturellen Erbe erhalten konnte und dass sich die Einwohner ein starkes Empfinden für den Zusammenhang zwischen der pulsierenden Kultur des Heute und der Lebendigkeit von Okazakis Vergangenheit erhalten konnten. Wer sich in Okazaki aufhält, der kann sich hoffentlich ein wenig Zeit nehmen, um die Vielfältigkeit der Geschichte von Okazaki zu geniessen.

Für das Korrekturlesen herzlichen Dank an:
-Chantal Hartmann
-Yoshiko Maerki



Vorherige Seite | Index | Suche | Sitemap


© Declan Murphy / Frontia Corporation - Alle Rechte vorbehalten
1-2-1 Hanehigashi-machi, Okazaki City, Aichi Präfektur, JAPAN 444-0832
Tel: +81 (0)564 55 8112 Fax: +81 (0)564 55 8174 Email: info [at] mikawa [punkt] cc

Valid HTML 4.01!